Symposium Artificial Creativity
10.05.2022 // 10:00-17:30 Uhr

Künstliche Intelligenz (KI) basierend auf Algorithmen des maschinellen Lernens und insbesondere des Deep Learnings wird zunehmend in der künstlerischen Praxis eingesetzt. In letzter Zeit gibt es vermehrt Beispiele dafür, wie Computer Bilder malen, Musik komponieren, Gedichte und Drehbücher für Filme und Theater schreiben, Produkte designen etc. Auch in den Künsten gibt es bereits zahlreiche Projekte und Kollaborationen zwischen menschlichen Künstler*innen und KI-Systemen. Diese Entwicklungen haben sowohl in fachlichen Diskursen als auch in der breiten medialen Öffentlichkeit eine Debatte ausgelöst, im Rahmen derer alte und neue Fragen hinsichtlich des Verständnisses von Kreativität und Kunst sowie damit einhergehende potentielle Chancen und Herausforderungen kontrovers diskutiert werden:

  • Können KI-Systeme kreativ sein oder erzeugen sie nur den Anschein von Kreativität?
  • Kann KI die menschliche Kreativität erweitern oder sogar neugestalten, oder geben wir diese Domäne auch noch der Technologie ab?
  • Wie verändert sich die künstlerische Praxis durch den Einsatz von KI?
  • Handelt es sich bei KI-generierter Kunst um bloße Nachahmung oder um eine neue Kunstform?

Wir wollen mit dem Symposium an diesen Diskurs und an die damit einhergehenden Fragen anknüpfen und einen Überblick über Sichtweisen aus unterschiedlichen Disziplinen zum Thema Künstliche Intelligenz in Kunst und Kreativität schaffen.

Zunächst werden in Impulsvorträgen Positionen aus verschiedenen Fächern – Informatik, Philosophie, Kunst- und Medienwissenschaft, Kognitionswissenschaft und jeweils unterschiedlichen Feldern, wie etwa Literatur, Musik und bildenden Künste, beleuchtet, um anschließend in einer Podiumsdiskussion die Fragen nach KI-generierter Kunst und Kreativität gemeinsam zu diskutieren.
Das Symposium wird begleitet von einer Ausstellung mit Arbeiten von Künstler*innen, die mit KI-Technologien arbeiten und experimentieren, kuratiert von Christl Baur, Leiterin der Ars Electronica.

Das Symposium richtet sich an Studierende und Promovierende der Kunst- und Kulturwissenschaften, des Kulturmanagements sowie interessierte Akteur*innen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Datum // Dienstag, 10.05.2022
Uhrzeit // 10:00-17:30 Uhr
Ort // Hochschule für Musik und Theater München, Wavelab

Zur Anmeldung

Zeitplan
& Speaker*innen

10:00 – 10:15 // Begrüßung durch Prof. Dr. Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater München

10:15 – 11:00 // Prof. Dr. Klaus Diepold: KI und künstliche Kreativität im Allgemeinen

11:00 – 11:45 // Dr. Hannes Bajohr: KI und Literatur

11:45 – 12:00 // Einführung in die Ausstellung

12:00 – 13:30 // Mittagspause & Ausstellung

13:30 – 14:15 // Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger: KI und Musik

14:15 – 15:00 // Christl Baur: KI und bildende Kunst

15:00 – 16:00 // Kaffeepause & Ausstellung

16:00 – 17:30 // Podiumsdiskussion + Q&A aus dem Publikum

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Prof. Dr. Klaus Diepold

Technische Universität München

Informatik, Data Science

Prof. Dr. Klaus Diepold lehrt Datenverarbeitung an der Technischen Universität München, wo er Elektro- und Informationstechnik studiert hat. Nach seiner Promotion war er als Wissenschaftler und Unternehmer in der Video- und Fernsehindustrie in München und New York tätig. Über zehn Jahre engagierte er sich in der Entwicklung von MPEG-Standards (MPEG-4, MPEG-A), bevor er 2002 dem Ruf an die TU München folgte. Im Rahmen seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit an der TUM im Bereich des Maschinellen Lernens ergibt sich bei dem passionierten Freizeitmusiker regelmäßig die Frage, ob intelligente Maschinen auch (musikalisch) kreativ sein können. Um diese Frage zu beantworten, bietet er jedes Jahr den Kurs »Komputer & Creativität« an, wo er mit einer Gruppe von Studierenden im Bachelorstudiengang Elektrotechnik verschiedene Formen kreativer Maschinen untersucht und entwickelt.

Dr. Hannes Bajohr

Universität Basel

Philosophie & Literaturwissenschaft

Dr. Hannes Bajohr ist Philosoph und Literaturwissenschaftler. Er studierte Philosophie, neuere deutsche Literatur und neuere und neueste Geschichte an der Humbold-Universität zu Berlin und wurde an der Columbia University, New York, mit einer Dissertation über Hans Blumenbergs Sprachtheorie promoviert. Er arbeitet am Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel und ist Postdoc im Projekt «Subalterne Mimesis». Er schreibt akademische Texte, Prosa, Essayistik und digitale Lyrik und arbeitet in den Bereichen politische Philosophie, philosophische Anthropologie, Sprachtheorie des 20. Jahrhunderts und digitale Literaturen.

Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger

Universität Osnabrück

Kognitionswissenschaft

Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger ist Universitätsprofessor für Künstliche Intelligenz und Direktor des interdisziplinären Instituts für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück. Nach einem Studium der Mathematik, Linguistik und Philosophie promovierte Kai-Uwe Kühnberger 2002 an der Universität Tübingen im Fach Computerlinguistik. Er arbeitete als Visiting Scholar an der Indiana University, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Tübingen und Osnabrück und ist seit 2009 Universitätsprofessor für Künstliche Intelligenz an der Universität Osnabrück. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel in Bereichen wie Computational Creativity, Analogem Schließen, Concept Blending und Maschinellem Lernen. Kai-Uwe Kühnberger war SICSA Fellow (Scottish Informatics and Computer Science Alliance) im Jahr 2009 und gewann einen IBM Faculty Award 2016.

Christl Baur

Leiterin des Festivals Ars Electronica

Kunstwissenschaft

Christl Baur ist Forscherin mit interdisziplinärem Hintergrund in Kunstgeschichte, Kulturmanagement und Naturwissenschaften. Ihr besonderes Interesse gilt der Verbindung von ästhetischen und sozialen Praktiken, die sich auf die Zusammenarbeit und das Experimentieren konzentrieren und die vorherrschenden sozialen, politischen und ökonomischen Protokolle in Frage stellen. Ihr Forschungsgebiet umfasst Themen wie Videokunst, neue Medientechnologien, Computerkunst, Biotechnologie sowie interaktive Kunst. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft.

In den letzten Jahren hat sie groß angelegte Ausstellungen und Performances, Forschungs-, Aufenthalts- und Publikationsprojekte kuratiert, produziert und durchgeführt – zuletzt in Zusammenarbeit mit Universitäten und wissenschaftlichen Vereinigungen wie Google Arts & Culture, Frauenhofer, ESO, ESA, Hyundai sowie der Chinesischen Kunstuniversität Peking.

Dr. Manuela Lenzen

Moderation Podiumsdiskussion

Dr. Manuela Lenzen hat an der Universität Bielefeld in Philosophie promoviert und schreibt als freie Wissenschaftsjournalistin und Sachbuchautorin vor allem über Kognitionsforschung und Künstliche Intelligenz. Sie ist zudem in Teilzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. 2020 erschien ihr Buch „Künstliche Intelligenz. Fakten. Chancen. Risiken“ (C.H. Beck Verlag).

Mariya Dzhimova

Initiatorin & Organisatorin des Symposiums //
Wavelab

Mariya Dzhimova ist Soziologin mit Forschungs- und Interessenschwerpunkten auf digitalen Innovationen im Bereich der Kunst und Kultur. In Ihrer Dissertation befasst sie sich mit den Legitimationsprozessen der Technologie Virtual-Reality in den bildenden Künsten. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kultur- und Musikmanagement der Hochschule für Musik und Theater München beschäftigt sie sich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der künstlerischen Praxis einerseits sowie in der Arbeitspraxis von Kultureinrichtungen anderseits.

Ausstellung
An[Other] Creativity in AI

Kuratorin: Christl Baur

Anatomy of an AI System

Vladan Joler (RS) & Kate Crawford (AU)

Anatomy of an AI System is a large-scale map and long-form essay investigating the human labor, data, and planetary resources required to build and operate an Amazon Echo. The exploded view diagram combines and visualizes three central, extractive processes that are required to run a large-scale artificial intelligence system: material resources, human labor, and data. The map and essay consider these three elements across time—represented as a visual description of the birth, life, and death of a single Amazon Echo unit.
At this moment in the 21st century, we see a new form of extractivism that is well underway: one that reaches into the furthest corners of the biosphere and the deepest layers of human cognitive and affective being. Many of the assumptions about human life made by machine learning systems are narrow, normative, and laden with error. Yet they are inscribing and building those assumptions into a new world, and will increasingly play a role in how opportunities, wealth, and knowledge are distributed.
The stack that is required to interact with an Amazon Echo goes well beyond the multi-layered technical stack’ of data modeling, hardware, servers, and networks.The full stack reaches much further into capital, labor, and nature, and demands an enormous amount of each. The true costs of these systems—social, environmental, economic, and political—remain hidden and may stay that way for some time.
We offer up this map and essay as a way to begin seeing across a wider range of system extractions. The scale required to build artificial intelligence systems is too complex, too obscured by intellectual property law, and too mired in logistical complexity to fully comprehend in the moment.

https://anatomyof.ai/

 

FUTUREFALSEPOSITIVE

Kristina Tica (RS)

FUTUREFALSEPOSITIVE is a project based on StyleGAN and object recognition algorithms applied to the ritual of Turkish coffee mug reading. A collection of these pictures composed the initial database out of which new images have been generated. 15000 real-life and generated images are then morphing into an animation and used to train the algorithm to recognize objects out of these random shapes created by the coffee stains and generated noise. The algorithm performs this continuous object recognition process in real time—reading the mug—while producing new visual narratives in a loop. In this process the relation has been established between false positives in computer vision and psychological phenomena of pareidolia and apophenia. The interplay between prediction as a false positive and prophecy as apophenia – the tendency to perceive meaningful connections between seemingly unrelated things – does not only focus on absurdity but on possibilities of creative interpretation when trying to understand the technical processes behind.

https://ticakristina.com/

 

PERCEPTION iO (Dokumentation)

Karen Palmer (GB)

Im Rahmen des Symposiums wird eine Dokumentation des Kunstwerks ausgestellt. 

Perception iO (Input Output) is the future of Law Enforcement. An Artificial Intelligence data set emotionally responsive to the participant and potentially their bias.

The participant will assume the role of a police officer watching an interactive training video of an escalating volatile situation. They will experience the interaction from the perspective of a cop’s body camera and come into contact (separately) with a black protagonist and white protagonist. Each protagonist plays either the role of a criminal or of a person with mental health issues. The Perception iO system will track the participants facial expression. How they respond emotionally to the scene will have consequences for the characters. It will influence the branching narrative to prompt the cop to either arrest, assist or shoot the character on the screen.

The Perception iO immersive experience is a convergence of neuroscience, behavioral psychology, film, AI, facial emotion detection, eye tracking, bias and social justice. It reveals how a person’s emotions (and eye tracking functionality currently in development) influences their perception of reality through an immersive storytelling experience.

After extensive research in Artificial Intelligence, this installation will enable participants to experience how easily human bias can be intergraded into networks by humans and therefore understand the necessity for Transparency and Regulation in AI. The immersive experience generates self-reflection and discussion on issues of bias, ethics and accountability for the participants and people creating these types of systems.

This is a collaboration of Art (Cooper Hewitt), Tech (ThoughtWorks Arts) and Science (NYU) to create the installation and undertake the ethical, academic and philosophical R&D. EmoPy is the bespoke (open source), deep neural net toolkit for emotion analysis via Facial Expression Recognition (FER) created by ThoughtWorks Arts and Karen Palmer. Perception iO was commissioned by The Cooper Hewitt Smithsonian Design Museum NYC.

http://karenpalmer.uk/

Anatomy of an AI System

Vladan Joler // RS
Kate Crawford // AU
Credits: Ars Electronica - Martin Hieslmair

FutureFalsePositive

Kristina Tica // RS
Credits: Tom Mesic

Perception iO

Karen Palmer // GB
Credits: Karen Palmer

FutureFalsePositive

Kristina Tica // RS
Credits: Kristina Tica